Verpasste Chance in Villach

Mit dem 4:2-Heimsieg über Graz hat der HC Pustertal am vergangenen Dienstag die Schlussoffensive im Kampf um den letzten Preplayoff-Platz eingeläutet. Nun muss der HC Pustertal auf Schützenhilfe aus Klagenfurt und Vorarlberg hoffen und gleichzeitig selber punkten, um den Einzug in die Pre-Playoffs doch noch zu schaffen. Die Villacher Adler haben sich bereits für die Endrunde qualifiziert und können ihr letztes Spiel im Grunddurchgang relativ gelassen angehen. HCP-Coach Tomek Valtonen kann heute aus dem Vollen schöpfen, die zuletzt krankheitsbedingt fehlenden Daniel Glira und Olivier Archambault kehren in den Kader zurück; auf Villacher Seite fehlen mit Kulda, Despres, Lanzinger und Lindner immerhin vier Stammspieler.

De HC Pustertal findet gut ins Spiel, bereits mit dem ersten Spielzug des Abends kreuzen Filip Ahl und Dante Hannoun gefährlich vor JP Lamoureux auf. Auch im Anschluss lassen die Wölfe nicht locker, nehmen das Villacher Gehäuse immer wieder unter Beschuss. Im Gegenzug werden auch die Hausherren aktiv, bei einem 2-on-1-Konter von Collins und Sabolic muss Tomas Sholl erstmals eingreifen. Wenig später kann der Pusterer Schlussmann einen Hammer von Fraser gerade noch an den rechten Pfosten lenken. Als Ziga Pavlin bei einem Konter von Mattinen nur regelwidrig gestoppt werden kann, kommt der HC Pustertal erstmals zum Powerplay. Just als Mattinen wieder das Eis betritt, staubt Bardaro den Rebound eines Pavlin-Schusses zum 0:1 ab. Doch die Freude währt nicht lange, nur wenig später wandert Ege auf die Strafbank. In einer sehenswerten Aktion gleicht Chris Collins mit einem millimetergenau platzierten Schuss ins kurze Eck zum 1:1 aus. Die Wölfe stecken nicht auf und kommen u.a. mit Deluca (tankt sich an der rechten Seite durch) und Andergassen (vergibt den Rebound) und Harju (ansatzloser Wristshot) zu guten Möglichkeiten. Wenige Sekunden vor Ende des ersten Drittels wird der heute starke Filip Ahl an der Bande niedergestreckt und muss nach einer Schrecksekunde in Begleitung der Sanitäter vorerst das Eis verlassen.

Der Villacher SV kommt bärenstark aus der Kabine und setzt mit Desjardins (wird von Luciani mustergültig bedient) gleich ein Ausrufezeichen; Sholl kann vorerst jedoch Schlimmeres verhindern. Die Hausherren haben in dieser Phase das Heft in der Hand, die Pusterer Hintermannschaft hat alle Hände voll zu tun, den Angriffen der Adler standzuhalten. In der 28. Spielminute wird der Druck jedoch zu hoch, Sholl kann den zweiten Rebound nicht mehr festhalten und Luciani netzt zum 2:1-Führungstreffer ein. Nur eineinhalb Minuten später können die Puschtra jedoch etwas gegen den Spielverlauf ausgleichen: Dante Hannoun tankt sich links alleine bis hinters Tor durch und spielt dann mit der Rückhand einen No-Look-Pass in den Slot, wo der mitgelaufene Ahl nur mehr den Schläger hinzuhalten braucht – das ist der Ausgleich zum 2:2. Der HC Pustertal wittert nun Morgenluft, in der 33. Minute erkämpft Simon Berger die Hartgummischeibe an der Bande und bedient Matthias Mantinger, der mit einer Direktabnahme den erneuten 2:3-Führungstreffer erzielt. Eben jener Mantinger muss dreieinhalb Minuten vor der zweiten Drittelsirene auf der Strafbank Platz nehmen, mehr als ein Stangenschuss durch Mattinen schaut für den VSV jedoch nicht heraus. Beim Stand von 2:3 geht es in die Pause.

Der Schlussabschnitt beginnt mit einer Riesenchance für Filip Ahl, der aus kurzer Distanz ins lange Eck zielt. VSV-Schlussmann Lamoureux kann den Puck in letzter Sekunde mit dem Fanghandschuh noch irgendwie herausfischen. Ein Powerplay für den HC Pustertal (nach Strafe Rebernig) bleibt ohne Folgen. Der nächste Treffer fällt auf der Seite der Pusterer: VSV-Angreifer Fraser verzögert vor dem Tor und spielt den Puck dann auf die andere Seite, wo Maxa mit einer Direktabnahme HCP-Torhüter Sholl das Nachsehen gibt und auf 3:3 stellt. Wenig später kommt es für die Gäste noch dicker, bei unübersichtlicher Gemengelage vor dem Brunecker Torhüter wird der Puck pingpong-mäßig hin- und hergespielt und rutscht dann schließlich in die Maschen. Nach ausführlichem Videostudium wird der Treffer schlussendlich gegeben, auch eine Coach’s Challenge vonseiten des HCP (mutmaßliches Abseits) ändert nichts an der Entscheidung der Referees. Knapp neun Minuten vor Spielende steht es somit 4:3 für die Villacher Adler. Die Wölfe werfen noch einmal alles nach vorne, zwei Minuten vor Schluss nimmt Tomek Valtonen ein Timeout. Als Villachs Derek Joslin eine Zwei-Minuten-Strafe zieht, wird es noch einmal richtig spannend. Doch für die Wölfe gibt es nichts mehr zu holen, Mattinen besiegelt mit einem Empty-Net-Treffer die Niederlage für den HCP.

Da die Graz 99ers zeitgleich gegen Klagenfurt verloren haben und weiterhin einen Punkt Vorsprung gegenüber dem HC Pustertal haben, hängen die Preplayoff-Chancen der Wölfe an einem seidenen Faden. Der Showdown findet am Sonntag um 17:30 Uhr in der Intercable Arena statt, zu Gast ist der HK Olimpija aus Ljubljana.

Andreas Baumgartner
Photo credit: VSV/Krammer

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