Interview Patrick Bona

Patrick Bona nimmt Stellung zur derzeitigen sportlichen Lage

„Behalten den Transfermarkt im Auge“

 

Der HC Pustertal musste am langen Allerheiligen-Wochenende pausieren, nachdem das für Samstag geplante Spiel gegen die Bratislava Capitals aufgrund des Zwischenfalls am Freitag in Dornbirn vorzeitig verschoben wurde. Unser sportlicher Leiter Patrick Bona aber war nicht untätig und hat nicht nur Fehleranalyse betrieben, sondern wie in den Wochen zuvor auch gezielt den Transfermarkt sondiert, wie er im nachfolgenden Interview mit Dolomiten-Redakteur Kurt Platter erklärt.

 

Dolomiten: Der HC Pustertal steckt in der Krise. Was ist in den letzten Wochen alles schiefgelaufen?

Patrick Bona: Wir haben ziemlich spät mit der Kaderplanung begonnen. Die Punkteregel hat uns bei der Zusammenstellung der Mannschaft vor große Probleme gestellt. Schließlich wurden die italienischen AlpsHL-Spieler viel höher bewertet als beispielsweise die österreichischen. Der Umzug ins neue Stadion und die vier Auswärtsspiele zu Saisonbeginn haben uns sicherlich nicht geholfen und waren nicht einfach zu bewältigen. All das soll aber keine Ausrede sein. Unser größtes Problem war bisher die Unerfahrenheit. Zudem ist die Liga im Vergleich zur AlpsHL sehr stark und jeder Fehler wird eiskalt bestraft.

 

Dolomiten: Obwohl Ihre Mannschaft im Tabellenkeller festsitzt, konnte sie beinahe in jedem Spiel mithalten und hat sechsmal mit nur einem Tor Unterschied verloren. Wie sehr schmerzt das?

Bona: Das schmerzt natürlich sehr, stimmt uns aber auch zuversichtlich. Schließlich ist es der Beweis, dass wir praktisch mit jedem Gegner mithalten können. Wir waren zumeist bis zum Schluss im Spiel, zollten aber der Unerfahrenheit und Unachtsamkeit Tribut. Ich bin der Meinung, dass die Tabellensituation nicht das Leistungsvermögen der Mannschaft widerspiegelt. Der 13. Platz ist hart, aber die knappen Niederlagen zeigen, dass nicht viel fehlt., wenn man unsere Auftritte in den einzelnen Spielen betrachtet. Die Wahrheit liegt aber nun einmal in der Tabellenposition. Deshalb nehmen wir sie auch sehr ernst und werden nicht tatenlos zusehen.

 

„Wenn man die letzten Auftritte des Teams gesehen hat, merkt man, dass die Spieler voll hinter dem Trainer stehen.“

Patrick Bona

 

Dolomiten: Einige Fans haben bereits die Entlassung von Trainer Luciano Basile gefordert. Gibt es für ihn eine Galgenfrist?

Bona: Wenn man achtmal in Folge verliert, kann niemand zufrieden sein. Basile steht so wie jeder Spieler auch unter Beobachtung, aber derzeit nicht zur Diskussion. Der Vorstand und die sportliche Leitung schätzen den Einsatz des gesamten Trainerstabes, der alles unternommen hat, um die Mannschaft zu verbessern. Wenn man die letzten Auftritte des Teams gesehen hat, merkt man, dass die Spieler voll hinter dem Trainer stehen: Sie geben alles, kämpfen vorbildlich und sind nach wie vor konzentriert und motiviert. Von Frustration ist bisher keine Spur. Das ist nicht selbstverständlich, weshalb sie sich ein großes Lob verdienen.

 

Dolomiten: Trotzdem stehen einige Spieler in der Kritik. Wird der HCP bald auf den Spielermarkt zurückkehren, um einen Spielerwechsel vorzunehmen?

Bona: Es ist kein Geheimnis, dass wir mit einzelnen Spielern nicht zufrieden sind. Bei der Verpflichtung der neuen Spieler haben wir nicht nur auf ihre spielerischen Stärken, sondern auch auf ihren Charakter geschaut. Mit der Gruppendynamik innerhalb der Kabine sind wir sehr zufrieden. Wir behalten den Transfermarkt immer im Auge. Wir wollen Schnellschuss-Aktionen und Blitztransfers aber vermeiden. Wenn wir einen neuen Spieler holen, dann soll er die Mannschaft punktuell besser machen.

Dolomiten: Vor allem Brad Morrison blieb bisher hinter den Erwartungen zurück. Steht der auf der Abschussliste?

Bona: Wir haben uns von Morrison mehr erwartet – keine Frage. Zu seiner Verteidigung muss man aber sagen, dass ihn eine Verletzung für einige Zeit ausgebremst hat. Bei ihm läuft demnächst der Probevertrag aus. Danach werden wir über seine Zukunft entscheiden. Wir hoffen, schon bald den ein oder anderen Vollzug vermelden zu können.

 

Dolomiten: Die einheimischen Spieler hatten bisher einen schweren Stand. Ist die ICEHL für sie eine Nummer zu groß?

Bona: Wie bereits gesagt: Der Unterschied zwischen AlpsHL und ICEHL ist riesig. Das Spiel ist schneller und körperbetonter. Die einheimischen Spieler benötigen noch Zeit, um sich an das höhere Niveau anzupassen. Diese werden wir ihnen auch geben. Mit Daniel Glira und Ivan Deluca stehen nur zwei einheimische Spieler im Kader, die bereits in der Vorgängerliga EBEL gespielt haben. Eines kann man jetzt schon sagen: Einige einheimische Spieler werden sich in der ICEHL durchsetzen und auch behaupten, andere werden es halt nicht schaffen. Dieses erste Jahr dient uns auch, um zu sehen, wer das Niveau für diese Liga mitbringt und wer nicht.

 

Dolomiten: Wie wollen Sie aus der Krise herauskommen?

Bona: Wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir müssen die Torausbeute steigern und versuchen, mehr schmutzige Tore zu erzielen. Das sind unsere Stürmer gefordert; sie müssen dorthin gehen, wo es weh tut. Gleichzeitig dürfen wir aber nicht die Arbeit nach hinten vernachlässigen. Uns muss klar sein, dass wir Spiele in erster Linie nur über den Kampf gewinnen können. Individuelle Fehler müssen wir auf jeden Fall minimieren. Sollte uns das gelingen, dann können wir den Tabellenkeller bald verlassen.

 

Photo HC Pustertal | Michael Ranalter