Fiat Professional Wölfe – HC Bozen Foxes 2:1 (0:0, 1:0, 1:1)

Max … Max … Oberrauch!

Sein Tor kurz vor Schluss ist fast der einzige Lichtblick und die drei Punkte das einzig Positive in einer auf äußerst bescheidenem Niveau stehenden Begegnung. Aber der Reihe nach …

Die Ausgangslage für die Fiat Professional Wölfe ist klar: Solange die Punkte auswärts zu oft und zu leichtfertig dem Gegner überlassen werden, sind in den Heimspielen Siege praktisch Pflicht. Und das auch oder erst recht, wenn es gegen den Rekordmeister aus der Landeshauptstadt geht. So herrscht in Bruneck wieder einmal der Ausnahmezustand. Das 158. Derby zwischen den beiden Kontrahenten mobilisiert die Massen und zieht es in ihren Bann. Die Erwartungshaltung ist groß in der schon lange vor Spielbeginn zum Bersten vollen Leitner-Solar-Arena. Das Spiel selber erfüllt die Erwartungen dann freilich in keiner Phase. Die Zuschauer sehen eine zerfahrene Begegnung und eine Fehlpassorgie ohnesgleichen. Auf beiden Seiten weht ihm Angriff ein laues Lüftchen, echte Torchancen sind 60 Minuten lang Mangelware. Man muss in den Annalen schon lange, sehr lange zurückblättern, um ein so schwaches, trostloses Derby zwischen den beiden Teams zu finden. Kurz gesagt, es spielt Not gegen Elend.

Den ersten und fast schon einzigen Höhepunkt des Abends gibt es bereits vor dem Match. Anstatt der traditionellen Pre-Game-Show wird ein Stück Eishockeygeschichte lebendig. Es wird emotional in der Leitner-Solar-Arena. Die Rückennummer 4 von Martin“Goggo“ Crepaz und die Rückennummer 26 von Oskar „Ossa“ Degilia werden nicht mehr vergeben und deshalb in Form eines Banners verewigt und in einer feierlichen Zeremonie unter das Stadiondach gehängt. Dort Platz findet auch die Banner für den letztjährigen Pokalsieg und den diesjährigen Supercup-Gewinn.

Beide Teams treten stark ersatzgeschwächt an. Wölfe-Trainer Teppo Kivelä muss auf Giulio Scandella und den erkrankten Matt Kelly verzichten. Außerdem fällt Joe Jensen nach dem ersten Drittel verletzt aus. Gästetrainer Adolf Insam muss gleich ohne die vier Stammspieler Brandon Rogers, Derek Edwardson, Marco Insam und Christian Walcher auskommen. Dafür spielt ersmals wieder Rückkehrer Christian Borgatello im weiß-roten Trikot.

Die Fiat Professional Wölfe – mit Wohn-Zentrum Jungmann als Rundensponsor – sind von Beginn an bemüht, Ordnung in ihr Spiel zu bekommen. Sie haben mehr Spielanteile als die Gäste, es dauert aber fast bis zur Hälfte des Spiels, bis dem aufgerückten Verteidiger Fredrik Persson mit einem kuriosen Tor der Führungstreffer gelingt. Mit dem praktisch ersten und einzigen schönen Spielzug in der gesamten Begegnung kommen die Gäste in der 7. Spielminute des letzten Drittels zum Ausgleich. Die Spannung steigt nun von Minute zu Minute. Als sich alle schon mit der möglichen Verlängerung abgefunden haben, schlägt Max Oberrauch – heute erneut einer der aktivsten Spieler auf dem Eis – eiskalt zu und wird zum Matchwinner. Knapp 100 Sekunden vor der Schlusssirene stürmt er allein auf Matt Zaba zu … und trifft! In der Leitner-Solar-Arena gibt es nun kein Halten mehr, der ehrwürdige „Rienz-Palast“ bebt und steht Kopf.

Torschützen: 1:0 PERSSON F. (Ling D., Crepaz L.) 33:58, 1:1 KNACKSTEDT J. (Bernard A., Egger A.) 46:41, 2:1 OBERRAUCH M. (Mair C., DiCasmirro N.) 58:22;

Torschüsse: HCP 38 (13, 17, 8) – Bozen 24 (7, 7, 10)

Strafminuten: HCP 14( 10, 2, 2) – Bozen 14 (10, 2, 2)

Die weiteren Endergebnisse des heutigen Spieltags: Sterzing – Valpellice 1:3 , – Asiago – Fassa 3:2 n. P., Alleghe – Ritten 5:3, Cortina – Pontebba 4:2

Im nächsten und zugleich letzten Spiel vor der zehntägigen Meisterschaftsunterbrechung treffen die Fiat Professional Wölfe am Samstag, den 5. November 2011 um 20.30 Uhr auswärts auf Cortina. Das Team von Trainer Stefan Mair behauptet sich seit Wochen hartnäckig an der Tabellenspitze und lässt sich dem Anschein nach so leicht auch nicht von dort verdrängen. Für die stark ersatzgeschwächten Fiat Professional Wölfe wird das Match im Olympiastadion jedenfalls ein hartes Stück Arbeit. Im Gegensatz zu den Heimspielen fehlt den Schwarz-Gelben auswärts bislang die nötige Aggressivität und Laufbereitschaft. Sie spielen sozusagen mit angezogener Handbremse. Bevor dieses Manko nicht abgestellt ist, wird es schwierig in der Fremde zu Punkten zu kommen. Erst recht beim Spitzenreiter bedarf es dazu einer Spitzenleistung. Dass sie dazu fähig sind, haben sie in der Vergangenheit freilich oft genug unter Beweis gestellt. Deshalb, auf geht’s Wölfe …! Jeder Punkt ist willkommen.

Gerhard Passler