Historischer Sweep gegen Salzburg in der dritten Overtime

Vor ausverkauftem Haus hat der HC Falkensteiner Pustertal heute den ersten von vier Matchpucks für den Einzug ins Halbfinale. Wölfe-Coach Jason Jaspers lässt die Aufstellung unverändert, während Manny Viveirros die Linien komplett umstellt und zudem im Tor erstmals in dieser Serie David Kickert aufbietet.

 

Das vierte Aufeinandertreffen dieser intensiven Viertelfinalserie startet schwungvoll, wobei beide Teams sichtlich darauf bedacht sind, keine Fehler im Spielaufbau zu riskieren. Eine erste gute Einschussmöglichkeit für die Wölfe durch einen Saracino-Querpass auf Bardreau bleibt jedoch ungenutzt. Im Anschluss prüft Adam Almquist den Gästetorhüter David Kickert mit einem verdeckten Schlenzer, kurz darauf verhindert Eddie Pasquale mit einem spektakulären Hechtsprung, dass Luca Auer einen Rebound zur Gästeführung einschiebt. Nur wenig später (12.) zittert das Gehäuse der Wölfe, als derselbe Auer nach einem Abpraller nur den Außenpfosten trifft. In einer kurzen Drangphase der Wölfe landet ein Onetimer von Almquist genau in der Fanghand von Kickert. Mitten in diese Pusterer Offensivbemühungen folgt der bittere Rückschlag: Ein Distanzschuss von Nienhuis prallt unglücklich von der Bande hinter dem Tor direkt zurück in den Slot. Peter Schneider schaltet am schnellsten und lupft die Scheibe per Rückhand über Pasquales Schoner zum 0:1 in die Maschen (18. Minute). Die Wölfe geraten in den Schlussminuten des ersten Abschnitts nochmals unter Druck.

 

Der Mittelabschnitt beginnt für die Wölfe zunächst zäh. Die hoch stehenden Bullen machen enormen Druck und schnüren den HCP phasenweise so tief in der eigenen Zone ein, dass nur noch unerlaubte Weitschüsse für Entlastung sorgen. In der 24. Minute blitzt die Gefährlichkeit der Hausherren erstmals wieder auf: Matthias Mantinger bedient den Slot mustergültig, doch David Kickert im Salzburger Gehäuse verhindert mit einem grandiosen Reflex den Ausgleich. Kurz darauf wird der Pusterer Rhythmus durch eine Strafe gegen Rueschhoff unterbrochen. Doch wie schon so oft in dieser Saison ist das Unterzahlspiel der Wölfe eine Waffe: Mantinger tankt sich mit viel Speed durch, scheitert aber erneut am starken Kickert. In der Folge wird die Partie hitziger und die Unparteiischen rücken in den Fokus. Nach einem Foul an Bardreau muss – nach kleinlicher Regelauslegung – auch dieser in die Kühlbox. Nach einer weiteren Strafe gegen Tyler Lewington zeigen die Wölfe ein bärenstarkes Überzahlspiel. Jon Blum von der blauen Linie und Rueschhoff per Deflection nach Purdeller-Zuspiel klopfen lautstark an, doch Kickert hält die knappe Führung vorerst fest.In der 37. Minute zieht Luca Zanatta von der blauen Linie ab, und Tommy Purdeller beweist einmal mehr sein goldenes Händchen, indem er die Scheibe unhaltbar zum hochverdienten 1:1-Ausgleich abfälscht. In der Schlussphase des Drittels prüft Lobis den Salzburger Schlussmann erneut, ehe eine weitere Strafe gegen Rueschhoff den HCP noch einmal in die Defensive zwingt. Die Wölfe killen die Zeit jedoch souverän und gehen mit dem Unentschieden in die zweite Pause.

 

Die Spannung in der Intercable Arena ist förmlich greifbar, als die Wölfe mit 57 Sekunden Rest-Unterzahl in den Schlussabschnitt starten. Salzburg drückt sofort aufs Tempo, doch das Pusterer PK-Bollwerk hält der numerischen Überlegenheit stand. Kaum komplett, bietet sich den Hausherren die Riesenchance zur Führung: Bei einem perfekt vorgetragenen 3-gegen-1-Konter legt Mantinger uneigennützig auf Di Tomaso quer, der die Vorentscheidung jedoch um Millimeter verpasst. Das Momentum kippt nun endgültig auf die Seite der Schwarz-Gelben, begünstigt durch eine Salzburger Strafe wegen eines Wechselfehlers. In Überzahl tankt sich Tommy Purdeller mit einer starken Einzelaktion durch, findet aber im bärenstarken David Kickert seinen Meister. Es bleibt die einzige zwingende Chance in diesem Powerplay, doch der HCP lässt nicht locker. In der 52. Minute ist es Nick Saracino, der nach einem sehenswerten Rush Maß nimmt, doch der Puck klatscht nur gegen die Salzburger Querlatte – das Aluminium rettet für die Bullen. In den verbleibenden Minuten entwickelt sich ein Spiel auf ein Tor. Pustertal drückt massiv nach vorne und schnürt den Meister in der eigenen Zone ein. Salzburg kommt nur noch sporadisch zu Entlastungsangriffen, wie etwa durch Peter Schneider, bei dessen Abschluss Eddie Pasquale jedoch gewohnt souverän „Nein“ sagt. Die Schlussphase wird zum Nervenkrimi: Eine Minute vor dem Ende visiert Adam Almquist mit einem verdeckten Blueliner erneut das Gehäuse an, doch diesmal rettet der Pfosten für die Gäste. Auf der Gegenseite zeigt Pasquale 33 Sekunden vor Schluss noch einmal sein ganzes Können, als er eine gefährliche Direktabnahme von Nissner entschärft. Nach 60 hochdramatischen Minuten steht es 1:1 – es geht in die Overtime!

 

In der Verlängerung wird 5-gegen-5 bis zum Sudden Death gespielt. Der HC Falkensteiner Pustertal startet mutig in die erste Extra-Zeit: Rueschhoff sucht mit einem gefährlichen Querpass den Mitspieler im Slot, doch Kickert ist auf dem Posten und fängt die Scheibe ab. Danach übernehmen die Gäste das Kommando und schnüren die Wölfe über weite Strecken in deren Zone ein. Eddie Pasquale muss sein ganzes Können aufbieten und entschärft mit spektakulären Reflexen Großchancen von Raffl und St-Denis. Auch Robertson und Schneider (per Onetimer knapp am Ziel vorbei) sorgen für Schwerstarbeit in der Pusterer Hintermannschaft. Ein vielversprechender Alleingang von Mikael Frycklund wird in dieser Phase im letzten Moment durch einen Salzburger Schlittschuh geblockt. Das Spiel wogt nun völlig offen hin und her. Nachdem Almquist freistehend vom Bullykreis an Kickert scheitert, hält die Intercable Arena in der 67. Minute den Atem an: Austin Osmanski taucht nach einem gewonnenen Zweikampf plötzlich alleine vor dem Salzburger Goalie auf, doch auch hier fehlen lediglich Millimeter zum Siegtreffer. Praktisch im nächsten Wechsel bietet sich Rueschhoff die exakt gleiche Möglichkeit, doch auch er bringt den Puck nicht im Gehäuse unter. Die Wölfe sind weiter am Drücker: Eine Doppelchance von Purdeller und Osmanski aus dem hohen Slot wird vom hervorragend reagierenden Kickert vereitelt. In der 75. Minute liegt der Puck frei im Salzburger Slot, doch Rueschhoff kommt den entscheidenden Sekundenbruchteil zu spät, um die Scheibe über die Linie zu drücken. In den Schlussminuten wirft Salzburg noch einmal alles nach vorne, findet aber kein Rezept gegen die aufopferungsvoll kämpfende Pusterer Abwehr. So ist auch die erste Overtime Geschichte – nach 80 Minuten steht es weiterhin 1:1.

 

In der zweiten Nachspielzeit wird der Viertelfinal-Fight endgültig zur Willensfrage. Die Beine werden schwerer, doch das Tempo bleibt hoch. Nach fünf Minuten stockt dem Pusterer Anhang der Atem: Ein Turnover im Aufbau ermöglicht Salzburgs Thaler einen Alleingang, doch der Bullen-Stürmer scheitert an den eigenen Nerven – oder am glänzend positionierten Eddie Pasquale. Es entwickelt sich ein offener Schlagabtausch, bei dem das Glück des Tüchtigen mehrfach das Lager wechselt. In der 88. Minute ist es Tommy Purdeller, der sich ein Herz fasst und nach einem fulminanten Solo David Kickert prüft. Nur Sekunden später bebt die Intercable Arena: Nick Saracino zieht ab, der Jubel brandet bereits auf, doch der Puck klatscht mit einem harten Metallgeräusch gegen den Pfosten. Die Wölfe lassen nun nicht mehr locker und schnüren die Gäste regelrecht ein. Ob Distanzschüsse von Osmanski und Zanatta oder Deluca im Slot – vor Kickert brennt es lichterloh. Doch auch Salzburg bleibt gefährlich: Exakt zwei Minuten vor der Drittel-Sirene zimmert St.-Denis den Puck bei einem Entlastungsangriff an das Gestänge des Pusterer Gehäuses. Den Schlusspunkt dieser 20 Minuten setzt eine ein schiedsrichterlicher Pfiff: Robertson kann den heranstürmenden Purdeller nur mit unerlaubten Mitteln stoppen. Bis zur Pausensirene passiert jedoch nichts mehr, und so geht es erneut in die Kabinen.

 

Die dritte Verlängerung bricht an – ein historischer Eishockey-Abend, der die Fans in der Intercable Arena bis tief in die Nacht in Atem hält. Der HCP startet jedoch mit dem gewohnten Aluminium-Pech der vorangegangenen Drittel: JC Lipon, der bis dahin eher unauffällig agierte, zimmert die Scheibe mit voller Wucht an den Pfosten. Nur wenig später prüft Austin Osmanski mit einem strammen Blueliner David Kickert, der den Puck jedoch sicher in seinem Fanghandschuh verschwinden lässt. Dann, in der 106. Spielminute – nach fast zwei kompletten Eishockeyspielen an einem einzigen Abend – bricht der Bann endgültig. Erneut ist es ein Distanzschuss von Austin Osmanski, der von der Bande hinter dem Tor direkt zurück in den Slot springt. Kapitän Raphael Andergassen schaltet am schnellsten und versenkt den Puck per Direktabnahme zum erlösenden 2:1-Siegtreffer!

 

Was folgt, ist reine Ekstase. Die Intercable Arena gleicht einem Tollhaus, und während die Fans das „Puschtra zi sein“ anstimmen, feiern die Wölfe-Cracks den historischen “Sweep” gegen Meister Salzburg und den Einzug ins Halbfinale.

Andreas Baumgartner

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